Archiv für Januar 2011

19. Januar 2011: „Schule ist ein endloser Tag“

Reflexionen zu einem Theaterprojekt, das Schulkritik in der Schule sagbar machte

Mi. 19.01.2011,
19.30 Uhr Ankommen / 20.00 Uhr Beginn,
Projektraum Neukölln,
Hermannstrasse 48, 2.Hinterhof, 1.OG,
U-Bhf. Boddinstrasse (U8)

„ „Helene Maier?“ – Schweigen. Die 15-jährige ruft noch einmal in bestimmtem Ton: „Helene Maier?“ – „Hier..“, ertönt es zögerlich aus dem im Toreingang eines Berliner Gymnasiums zusammengepferchten Publikum und die vier Performerinnen fahren fort, die angemeldeten Gäste auf ihrer Liste abzuhaken. Am Schultor beginnt die Inszenierung Schule ist ein endloser Tag. Dann wird das Publikum mitgenommen: Durch den Hof, Flure, die Aula, Klassenzimmer – bis das Stück im durch ein Fadennetz zugewobenen Treppenhaus endet. Der Weg durch das Gebäude, erahnbar durch Spuren der Performerinnen, ist versehen mit Installationen und szenischen Aktionen der Jugendlichen. Der Ort, der die Inszenierung beheimatet ist gleichzeitig Thema des Stücks: Schule. […]“

(Auszug aus „Ortsspezifisches Theater als widerständige Praxis“)

In meinem theaterpädagogischen Abschlussprojekt im Rahmen des Masterstudiengangs Theaterpädagogik an der Universität der Künste Berlin habe ich mich zusammen mit vier Schülerinnen über vier Monate intensiv mit dem Thema Schule auseinandergesetzt. Das aus Gesprächen, Diskussionen und theaterpädagogischen Übungen entwickelte Stück Schule ist ein endloser Tag wurde im Juni 2010 im Leibnizgymnasium Kreuzberg präsentiert.

Hierbei war meine theaterpädagogische Arbeit von Strategien des postdramatischen Theaters bestimmt: Die Schulkritik sollte über Verfahren biographischen, dokumentarischen und ortsspezifischen Performancetheaters und mittels aus der bildenden Kunst inspirierten Installationen inszeniert werden. Der Schwerpunkt lag schließlich auf Verfahren des ortsspezifischen Theaters.

In der an das Projekt anschließenden von mir verfassten Masterarbeit zum Thema „Ortsspezifisches Theater als widerständige Praxis“ habe ich versucht ortsspezifisches Theater als eine Form politischen Theaters zu beschreiben, das die Strukturen eines Ortes aufgreift (und – natürlich – in ihn eingreift), um dadurch bestehende Machtstrukturen auf verschiedenste Art und Weise sichtbar zu machen.

Während des Arbeitsprozesses tauchten jedoch auch eher grundlegende Fragen auf, deren Antworten mich bis heute beschäftigen:

Können theaterpädagogische Methoden helfen, eine Schulkritik, also ein politisches Thema, zu entwickeln? Inwieweit eignet sich (postdramatisches, insbesondere ortsspezifisches) Theater als Ausdrucksmittel eines Widerstands? Wie schüler_innenorientiert gestaltet sich der künstlerische Prozess in der Praxis? Wie finde ich die Balance zwischen Anleitung und Mitautor_innenschaft? Und wie wichtig ist denn nun eigentlich das Produkt im Verhältnis zum Prozess in der Theaterarbeit?

Ich möchte euch ganz herzlich einladen, am nächsten Krile-Treffen den 30-minütigen Film zur Aufführung anzuschauen. Dazu möchte ich gerne vom Prozess der Stückentstehung berichten (es hat 2 Monate gedauert bis die Schülerinnen tatsächlich kritische Diskussionen mit mir geführt haben) und mit euch, u.a. in Anlehnung an meine Masterarbeit, über die Möglichkeiten theaterpädagogischer Arbeit im Bereich der politischen Bildung diskutieren.

(Eventuell wird das Projekt auch durch oder mit den Schauspielerinnen vorgestellt werden – ich habe angefragt, aber bisher noch keine Rückmeldungen erhalten.)

(Aus einer Vorstellungs-email)